Pokémon-Karten graden lassen: Was die Note wirklich bringt
Stand: 08.09.2026

Grading ist die Zustandsbewertung einer Karte durch einen spezialisierten Anbieter wie PSA, CGC oder Beckett (BGS). Die Karte wird geprüft, auf einer Skala von 1 bis 10 benotet und versiegelt in einem Acryl-Holder zurückgeschickt. Wer das tut, kauft keine Bestätigung, sondern schließt eine Wette ab: Der Aufschlag hängt fast vollständig an der 10.
Die 10 zahlt knapp das Fünffache, die 9 im Median 4,86 USD mehr als die rohe Karte, und die 10 fällt in 28,9 Prozent aller Einsendungen.
Was eine Note wert ist
Wir führen zu 325 Karten die tatsächlich erzielten eBay-Preise je Note. Für 107 davon liegen mindestens drei Verkäufe sowohl roh als auch in PSA 10 vor, zusammen 2.517 rohe und 9.292 PSA-10-Verkäufe.
Der Abstand streut stark: Das mittlere Viertel der Karten liegt zwischen dem 2,9- und dem 12,8-fachen, und 88,7 Prozent der 107 Karten bringen in PSA 10 mindestens den doppelten Rohpreis. Die 9 ist der eigentliche Befund. Sie gilt gemeinhin als gutes Ergebnis und trägt im Median 4,86 USD Aufschlag, zu wenig für Gebühr und Versand. Bei 33,9 Prozent der PSA 9 liegt der Preis sogar unter dem der rohen Karte, weil der Holder dort eine Schwäche dokumentiert, die der Käufer der rohen Karte selbst nicht gesehen hätte.
Wie wahrscheinlich die 10 ist
Jede benotete Karte landet im Population-Report ihres Anbieters. Daraus lässt sich ablesen, wie sich alle je eingesendeten Exemplare einer Karte auf die zehn Noten verteilen.
Die dritte Zahl setzt beide Messungen zusammen: Für 43 Karten liegen uns Population und Preise je Note vor. Rechnet man je Karte den erwarteten Erlös aus ihrer eigenen Notenverteilung und ihren eigenen Preisen, kommt im Median das 1,85-fache des Rohpreises heraus — bei einem Median-Rohwert von 120 USD ein Aufschlag von rund 102 USD, aus dem Gebühr, Hin- und Rückversand und Versicherung noch zu bezahlen sind. Bei 11,6 Prozent der Karten liegt der erwartete Erlös schon vor Kosten unter dem Rohpreis.
Ein Vorbehalt gehört dazu, und er verschiebt die Zahlen nach unten: In den Population-Report kommt nur, was jemand eingeschickt hat. Sammler schicken ihre besten Stücke. Die 28,9 Prozent beschreiben also vorselektierte Karten, nicht den Inhalt eines frisch geöffneten Displays.
Wer den Markt hält
„Drei große Anbieter" ist die übliche Auskunft. An den Verkäufen gemessen stimmt sie nicht: Von 29.085 erfassten Verkäufen gegradeter Karten entfallen vier von fünf auf PSA, und Beckett — traditionell als einer der drei großen genannt — liegt hinter TAG, einem Anbieter, der in kaum einem Ratgeber vorkommt.
| Anbieter | Anteil | Was ihn unterscheidet |
|---|---|---|
| PSA | 80,8 % | Population öffentlich einsehbar, größte Reichweite |
| CGC | 13,4 % | Aus dem Comic-Grading, eigener Population-Report |
| TAG | 2,2 % | Maschinelle Bewertung mit Foto-Nachweis je Kriterium |
| BGS | 1,6 % | Vergibt zusätzlich Teilnoten für Ecken, Kanten, Oberfläche, Zentrierung |
| ACE | 1,4 % | Junger Anbieter, in Europa zunehmend sichtbar |
| SGC | 0,3 % | Schwerpunkt außerhalb von Pokémon |
Alle sechs benoten von 1 bis 10. Anteile an 29.085 erfassten eBay-Verkäufen über 325 Karten mit Preisen je Note, Stand 08.09.2026. Der Anteil beschreibt den Handel mit bereits benoteten Karten, nicht die Zahl der Einsendungen.
Für Einsender aus Europa war der Versand in die USA lange der größte Kosten- und Zeitfaktor. Mit dem für Sommer 2026 angekündigten PSA-Grading-Center in Frankfurt fällt dieser Umweg beim Marktführer weg — bei einem Anbieter, der ohnehin vier von fünf Verkäufen auf sich vereint, verschiebt das die Rechnung für den europäischen Markt deutlich.
Der Ablauf
- Auswählen: Nur Karten, bei denen die 10 realistisch ist — alles darunter trägt die Kosten nicht.
- Anmelden: Karten beim Anbieter registrieren und ein Service-Level wählen; es richtet sich nach Kartenwert und Bearbeitungszeit.
- Einsenden: Sicher verpacken, oft über einen zugelassenen Vermittler.
- Warten: Je nach Service Wochen bis Monate.
- Zurückerhalten: Versiegelt und benotet, mit Eintrag in der Datenbank des Anbieters — ab da zählt die Karte selbst zur Population.
Woran die Rechnung scheitert
Drei Größen entscheiden, und zwei davon lassen sich vorher bestimmen: der Rohpreis und der Preis in PSA 10. Die dritte ist die Note, und sie ist der ganze Unterschied. Wer den Zustand vorab prüft (siehe Kartenzustand bewerten), verwandelt eine Wette in eine Schätzung — mehr nicht, aber das reicht meistens, um die aussichtslosen Fälle auszusortieren.
pkmn.studio zeigt zu einer Karte die Marktpreise je Note nebeneinander, dazu die Population-Verteilung, wo sie vorliegt. Damit steht der Vergleich, den dieser Artikel im Median gerechnet hat, für deine konkrete Karte da.
Häufige Fragen
- Welche Note brauche ich, damit es sich rechnet?
- Die 10. An 107 Karten mit mindestens drei Verkäufen roh und in PSA 10 gemessen bringt eine PSA 10 im Median das 4,99-fache des Rohpreises. Eine PSA 9 bringt an 115 Karten gemessen das 1,13-fache, im Median 4,86 USD mehr als die rohe Karte, und 33,9 Prozent aller PSA-9-Karten liegen unter ihrem Rohpreis. Die 9 ist damit keine abgeschwächte 10, sondern ein anderes Ergebnis: Ihr Aufschlag trägt die Gebühren in aller Regel nicht.
- Wie wahrscheinlich ist die 10?
- Bei den Karten, für die uns Population-Daten vorliegen, erreichen im Median 28,9 Prozent aller je eingesendeten Exemplare die 10 und 78,5 Prozent eine 9 oder 10. Diese Zahl ist optimistisch: Sie beschreibt nur Karten, die jemand für gut genug hielt, um sie einzuschicken. Für eine zufällige Karte aus einem Booster liegt die Quote darunter.
- Kann ich den Zustand vorher selbst einschätzen?
- Ja, und es lohnt sich. Ecken, Kanten, Oberfläche und Zentrierung entscheiden die Note. Eine Karte mit sichtbarem Eckenverschleiß erreicht die 10 nicht mehr — und weil unterhalb der 10 kaum Aufschlag übrig bleibt, ist das bereits die ganze Entscheidung. Die Selbsteinschätzung ersetzt kein Urteil, sie sortiert die aussichtslosen Kandidaten vor der Einsendung aus.
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